Woher kommt der ganze Kram?

Wie der Kram unsere Wohnungen flutet

Das ganze Jahr über sehen wir an den Geschäften die Aufschrift SALE-SALE-SALE . Auf allen Kanälen versucht man uns dazu zu bringen, Sachen zu kaufen, die wir meist gar nicht brauchen. Kaum hat eine Modesaison begonnen, ist auch schon wieder Ausverkauf. Nie war Kleidung so billig wie heute. Auch Elektronik wird uns nur so hinterher geschmissen. Alles ist billig – billig – billig. Da Plastiktüten zum Glück inzwischen out sind, hat sich der Handel eine Alternative überlegt. Jetzt gibt es für einen kleinen Preis riesige Mehrwegtaschen, damit wir immer mehr nach Hause tragen können. Und so wird es den Dingen leicht gemacht, unsere Wohnungen zu füllen. Aber halt! Lasst uns die Sache nicht so passiv formulieren. In Tat und Wahrheit sind wir es, die sich immer wieder zum Kauf von so viel Kram verleiten lassen. Also liegt es auch in unserer Verantwortung, das zu kontrollieren und zu verändern.

Vom Unsinn der Ordnungssysteme

Bald schon haben wir keinen Platz mehr für die vielen Einkäufe. Dann überlegen wir, welche Organisationssysteme wir jetzt noch brauchen, um die Sachen doch noch irgendwie unterzubringen. Wie wäre es mit speziellen Kleiderbügeln, die dann – wenn man der Werbung glauben schenkt – nur ein Drittel des üblichen Raumes für die selbe Kleidermenge einnehmen? Auch gern angepriesen werden Plastikbeutel, aus denen man die Luft heraussaugen kann und die dann angeblich nur noch ein Fünftel des Raumes einnehmen. Solche Systeme gibt es massenhaft, aber auch sie können nicht die Gesetze der Physik außer Kraft setzen. Sie schaffen nicht mehr Raum, sondern sie fordern selbst auch noch Platz. Nachdem wir sie gekauft haben, müssen wir auch noch sie unterbringen. In einem echten Chaoshaushalt führen diese Dinge nicht zu mehr Ordnung, sondern verschlimmern die Situation noch. Und in einem aufgeräumten Haushalt brauchen wir den ganzen Kram nicht.

Warum aber haben manche von uns so große Schwierigkeiten zu erkennen, wann unsere Wohnung voll ist und nichts mehr aufnehmen kann? Was ist es, das bei manchen Menschen einfach die Vernunft ausschaltet und sie immer mehr Zeug in ihre Wohnungen schleppen lässt?

Nicht jeder mit einem Ordnungsproblem ist gleich ein Messie

Ich persönlich glaube nicht, dass immer gleich ein sogenanntes „Messiesyndroms“ mit Krankheitswert die Erklärung für so viele Problemhaushalte ist. Sicher gibt es vereinzelt echte Messies, deren Verhalten einer medizinischen Psychotherapie bedarf. Die meisten Menschen, die von sich selbst sagen, sie seien Messies, leihen sich nur das Wort aus dem medizinisch-pathologischen Bereich. Damit wollen sie nur eine mehr oder weniger ausgeprägte Organisationsschwäche zu beschreiben. Wenn jemand zu uns sagt, er habe heute „voll die Depression“, gehen wir ja auch nicht davon aus, dass derjenige wirklich krank ist. Er hat halt einen miesen Tag und versucht es etwas drastisch zu beschreiben. Genau so wenig muss jemand, der von sich sagt, er sei total „messiemäßig“ drauf, ein echter Messie mit Krankheitswert sein.

In den meisten Fällen ist die normale Ordnungsschwäche und Gerümpelneigung ein anerzogenes Problem. Da wir heutzutage von klein auf sehr stark von Massenmedien und Werbung beeinflusst werden, hat sich inzwischen unser Verhältnis zu Besitz sehr stark verändert. Vor nicht einmal einhundert Jahren, hatte Besitz hauptsächlich eine Aufgabe: Er musste dem Besitzer nützlich sein. War ein Gegenstand kaputt, musste er repariert werden, damit er wieder seine Aufgabe erfüllen konnte. Denn fertige Produkte waren viel teurer im Verhältnis zum Verdienst der Menschen, und so kam man gar nicht auf die Idee, sich mehr zu kaufen, als man benötigte. Außerdem spielte auch die christliche Erziehung eine gewisse Rolle, sie hob auf Bescheidenheit ab. Es gab damals festgeschriebene Standards, was in eine Aussteuertruhe gehörte. Alles, darüber hinaus, galt als sinnlose Verschwendung. Und wer zur Verschwendung neigte, war durch die soziale Kontrolle in seinem Umfeld rasch entlarvt.

Welches Verhältnis haben wir eigentlich zum Besitz?

Heute lernen wir, uns von klein auf primär über unseren Besitz zu definieren: „Mein Haus! Mein Auto! Mein Boot!“ Bereits im Kindergarten können Kinder zu Außenseitern werden, wenn sie nicht die neuesten Spielzeuge, Schuhe und Klamotten haben. Es ist für Eltern eine echte Herausforderung, das Kind so gut zu unterstützen, dass es nicht alles mitmachen muss und trotzdem mittendrin bleibt. Aber das Leben ist natürlich einfacher, wenn man dafür sorgt, dass das Kind immer alles hat, was die Werbung so vorschreibt.

Wenn wir uns also entschließen, endlich mal die Wohnung auf Vordermann zu bringen und für Ordnung zu sorgen, ist es wichtig, zunächst einmal unser Verhältnis zu Besitz und dadurch unser Konsumverhalten zu überprüfen.

Eure

Olga Ordentlich

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Foto: (c) naturalpastels pixabay.com

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