Was ist eigentlich Glück?

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Immer ein gutes Buch in der Tasche kann ein Stückchen Glück bedeuten

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Glück lässt sich nicht „schaffen“, weil noch niemand definiert hat, woraus Glück besteht. Sicher gibt es gewisse „Komponenten“, die es wahrscheinlicher machen, dass man sich wohl fühlt. Wenn ich nicht täglich darum bangen muss, womit ich meine Familie und mich ernähre, kann das schon sehr entlastend sein, eine Garantie für Glück ist es aber nicht. Genau sowenig ist übrigens Armut ein Garant für Unglück.

Heißt Ordnung automatisch Glück?

Ich hieße nicht Olga Ordentlich, wenn ich nicht auch die Perspektive der Ordnung mal ansehen wollte. Bringt eine aufgeräumte Wohnung Glück? Macht es mich glücklich, wenn ich Dinge, die ich brauche, immer sofort finde, weil ich alles so gut einordne und übersichtlich gestalte? Mich persönlich beruhigt es, wenn ich einigermaßen den Überblick über mein Zeug habe. Es macht mich auch durchaus zufrieden, wenn das Maß der Ordnung zu meinen Bedürfnissen passt. Aber automatisch glücklich macht mich das trotzdem nicht. Es gibt Menschen, die wesentlich ordentlicher sind als ich und viel, viel mehr putzen, weil ihr persönliches „Gut genug“ deutlich höher angesiedelt ist. Aber auch sie sind nicht automatisch glücklicher als ich.

Wenn es Geld, Ernährung und Ordnung nicht sind, was ist dann die Quelle des Glücks? Bis heute konnte das noch niemand definieren, obwohl es unzählige Bücher zu dem Thema gibt. Der kommende Sommer soll uns heute ein Anlass sein, darüber nachzudenken. Mit der Sonne und den nahenden Ferien verbinden viele Menschen den Begriff Glück. Sind Sonne, Ferien und Strand die Glücksbringer? Oder ist das nicht ein bisschen zu passiv gedacht?

Dostojewski, Dämonen, Roman, Lesen, Glück, UnterhaltungDas Glück liegt vor uns – wir müssen es nur sehen und ergreifen

Dostojewski schrieb in seinem Buch „Die Dämonen“: „Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.“

Was will er damit sagen? Wie ich ihn verstehe, liegt das Glück in der Form unserer Möglichkeiten vor uns ausgebreitet. Wir sehen sie nur oft nicht, weil wir ein zu hohes Ideal anstreben. Wir haben eine perfekte Vorstellung von Glück, die es nur in unserer Phantasie gibt. In der Realität ist sie nicht zu erreichen. Das heißt nicht, dass wir uns mit dem begnügen sollen, was wir haben. Ganz im Gegenteil: Wir sollen unsere Möglichkeiten mit offenen Augen sehen und mit beiden Händen ergreifen.

Natürlich kann das mühsam werden: Wenn ich etwas tun will, weil ich in meiner jetzigen Situation nicht glücklich bin, brauche ich Energie, ich muss mich aufraffen. Ich brauche Entschlusskraft – bei so vielen potenziellen Möglichkeiten, die es in dieser Welt gibt, ist das oft besonders anstrengend – und ich brauche den Willen, mich zu entwickeln.

Ein bisschen Anstrengung kann hilfreich sein

Es ist nicht so, dass wir uns damit heraussreden, wir sähen diese Möglichkeiten nicht und wollten sie nicht nutzen. Das würde uns ja vor der Welt entlarven, dass wir zu faul oder zu feige sind, unser Glück beim Schopf zu packen. Statt dessen wählen wir oft, extrem hohe Ziele, zu denen uns die Zeit, die Kraft oder die Fähigkeiten fehlen. Wir bilden uns Ziele ein, die ohne viele, manchmal auch anstrengende Zwischenschritte gar nicht zu erreichen sind. Aber diese Zwischenschritte sind wir mitunter nicht bereit zu gehen. Wie oft höre ich von jungen Menschen, dass sie ein Einstiegsgehalt von utopischen Ausmaßen verlangen, dann aber leider nie einen Job bekommen, weil sie nicht genommen werden. Andere wollen in vier Wochen achtzehn Kilo abnehmen und eine Traumfigur haben. Sie wollen ruckzuck in das tolle Abendkleid zu passen, das sie sich für die Hochzeit der Freundin geholt haben. Und wenn am dritten Tag immer noch nicht mehr als 150 Gramm runter sind, ist es eh schon egal und sie essen eine Riesenportion Eis zum Trost.

Wenn wir dann an unseren viel zu hohen Zielen scheitern, haben wir einen ganzen Sack voller guter Ausreden: „Es war nicht der richtige Zeitpunkt.“ „Die Umstände standen einfach dagegen.“ „Ich hatte so viele Widersacher.“ „Mir fehlte einfach die Zeit, um mich intensiver mit meinen großen Zielen zu befassen.“ „Ich bin im Grunde nur Opfer der Umstände und gehöre bedauert.“

Viele Menschen haben auch ganz einfach Angst vor dem Erreichen ihres selbst gewählten Ziels: „Wenn ich irgendwann tatsächlich eine ideale Partnerin habe, wie anstrengend wird es für mich werden, auch für sie der ideale Partner zu sein? Und mal ganz ehrlich: Wenn mich eine Frau für ideal hält, dann hat die doch eine Vollmeise! So eine will ich gar nicht haben. Und die, die mich verachten, die also voll den guten Geschmack haben, an die komme ich sowieso nicht ran.“ Und natürlich auch alles gendermäßig umgekehrt.

Auch mit viel Anstrengung erreichen wir nichts, wenn wir nicht im entscheidenden Moment offen für unser Glück sind

Ich gehe regelmäßig ins Fitnessstudio und treffe dort auf wirklich wunderbar aussehende Frauen und Männer mit Körpern zum Niederknien. Kein Gramm Fett, Muskeln genau da, wo sie hingehören und dann auch noch immer gut frisiert und in tollen Sportklamotten. Und im Gespräch stellt sich dann raus, dass sie fast alle – vor allem die ganz perfekten Körper und Körperinnen – Singles sind. Sie trainieren wie besessen, um den perfekten Body zu haben, für den Fall, dass sie mal eine/n perfekte Partner/in finden, trauen sich aber nicht, weil sie Angst vor ihren eigenen Idealen haben und einen Partner oder eine Partnerin, denen sie genügen würden, gar nicht akzeptieren könnten. Klar, sie drücken sich nicht vor Mühen und Plagen. Sie gehen die Zwischenschritte tapfer und voller Energie. Nur den letzten, den Entscheidenden Schritt, den Schritt, der sie zu ihrem eigentlichen Ziel bringen soll, den gehen sie eben nicht. Theoretisch ist das Glück schon in greifbarer Nähe, aber sie trauen sich nicht, es zu ergreifen.

So werden wir zu unseren eigenen Glücksverhinderern. Das Glück ist da, wir sollten nur unsere Ideal herunterschrauben und das Glück, das uns umgibt, auch mal zulassen.

Eure Olga

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Foto: (c) soorelis pixabay.com

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