Schenken ist eine Kunst

Vor dem Schenken

Die Weihnachtsmärkte sind eröffnet und spätestens jetzt beginnt der Run auf die Geschenke für Familie, Freunde und Bekannte. Wenn ich Geschenke mache, denke ich darüber nach, was den potenziellen Empfängern gefallen könnte und nicht so sehr, was mir gefällt. Angenommen, ich mag alles, was mit Katzen, Batman oder Kürbissen zu tun hat: Eine Bettwäsche mit einem solchen Motiv macht mich dann vermutlich sehr glücklich. Das heißt aber nicht, dass es dem anderen genauso geht. Es ist also sinnlos, meine Vorliebe auf andere zu übertragen, die sich für Katzen, Batman und Kürbisse nur so mittel interessieren.

Wünsche ergründen

Eine gute Methode, herauszufinden, was der andere mag, ist die Frage. Wenn man üblicherweise zu Geburtstagen, zu Weihnachten, zu welchem Anlass auch immer sich gegenseitig beschenkt, dann ist es für den Empfänger nicht überraschend, dass wir ihn fragen. Wir verderben ihm damit also keine schöne Überraschung, sondern wir vermeiden eine böse. Der Grund ist, dass es heute viel schwieriger ist zu schenken, als vor 100 Jahren. Wir haben eine so riesige Auswahl, dass man schon für sich selbst kaum noch die richtige Entscheidung treffen kann.

Wer hat noch nicht vor Produktregalen gestanden und eine Menge Zeit vertrödelt, weil er sich nicht entscheiden konnten? Einen Schal zu kaufen, ein paar Handschuhe, einen Kochtopf, eine Matratze oder ein paar Schuhe – all das ist heute eine echte Herausforderung.  Das unendliche Angebot an käuflichen Dingen macht einen schier schwindelig. Zur Verdeutlichung: Bei Amazon gibt es derzeit 229 Millionen verschiedene Artikel. Meine Fantasie für diesen Beitrag hat schon bei der Aufzählung im vorherigen Satz bei fünf geschwächelt. Die Realität hat unsere Fähigkeit, diese Mengen zu verarbeiten längst abgehängt.

Zurück zum Schenken: Fragt die Geschenkempfänger. Fragt genau und detailliert und fragt, wieviel Spielraum ihr bei der Entscheidung habt. Wenn die Antwort lautet „Ich möchte diesen konkreten Pullover aus jenem konkreten Laden.“, dann könnt ihr zuschlagen. Wenn es aber ein beiger Pullover sein soll, ist Vorsicht geboten. Welches Beige genau? Welcher Schnitt? Welches Muster? Welches Material? Welche Länge, Breite, Höhe? Welcher Kuschelfaktor? Welche Maschengröße? usw. usf.

Wenn die Antwort eher wage ist, kann man einen gemeinsamen Einkauf schenken, bei dem man sich bereit erklärt, bis zum Punkt X die Kosten zu übernehmen. Wer nur begrenzt gute Nerven hat, kann auch einen Gutschein oder gleich Geld schenken.

Geschenkartikel meiden

Typische Geschenkartikel, die keine andere Funktion haben, sind in meinen Augen das Schrecklichste, was man schenken kann. Bei einem Geschenk ist es wichtig, dass der Beschenkte auch etwas davon hat. Ein Ding, das man nur irgendwohin stellen und dem man dann beim Zustauben zusehen kann, ist kein Geschenk, sondern schon fast eine Beleidigung. Da freue ich mich mehr über ein paar gute Wünsche. Wenn sie von Herzen kommen, sind sie mir 1000 Mal lieber, als eine zauberhafte Wachs-LED-Kerze in Regenbogenfarben zum Aufziehen und mit Solarbetrieb, damit sie auch noch tanzen kann.  😉

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Foto: (c) Congerdesign pixabay.com

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