Nur-Hausfrau oder Arbeit?

Eltern haben nach der Geburt ihres Kinders einen gesetzlichen Anspruch auf eine Elternzeit von bis zu drei Jahren. In den ersten 12 bis 14 Monaten haben sie Anspruch Elterngeld, danach sind sie auf sich selbst gestellt. Spätestens da wird es für viele Eltern schwierig, finanziell über die Runden zu kommen. Das gilt besonders für Alleinerziehende. Das Elterngeld ist dabei schon eine gute Sache, die in die richtige Richtung zielt. Eltern wird es so leichter gemacht, sich wenigstens in den ersten Monaten etwas intensiver um ihren Nachwuchs zu kümmern. Wer darüber hinaus einigermaßen abgesichert ist, gönnt sich und seinem Kind gerne eine längere gemeinsame Zeit. Doch hier fällt denen, die sich entscheiden, als Nur-Hausfrau ihr Kind zu hüten, oft unsere feministische Politik auf die Füße.

Feminismus teils „Danke“, teils „Nein-Danke“

Ja, ich bin sehr dankbar für die Errungenschaften, die der Feminismus in den letzten 100 Jahren für uns erreicht hat. Heute aber, wo Frauen wahl- und gleichberechtigt sind, gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen und ihr Leben selbst gestalten und planen dürfen, kommen neue Einschränkungen aus einer unvermuteten Richtung auf uns zu. Die Feministinnen haben uns sehr erfolgreich befreit und dadurch ihre eigene Daseinsberechtigung abgeschafft. Deshalb haben sie sich ein neues Betätigungsfeld gesucht, nämlich die Nur-Hausfrau, die aus feministischem Blickwinkel ihr Potenzial verschleudert.

Das politische Argument lautet, dass wir Frauen heute jede Möglichkeit der beruflichen Selbstverwirklichung haben, also sollen wir sie verdammt nochmal auch nutzen. Wozu wurden wir schließlich aus der „Sklaverei des Patriarchats“ befreit? Wozu haben die Feministinnen die Männer entmachtet, wenn wir Frauen jetzt lieber unsere Brut pflegen, statt in DAX-Vorständen zu sitzen?

Wer sich um seine eigenen Kinder kümmert ist faul, wer sich um fremde Kinder kümmert ist produktiv

Unsere feministisch geprägte Politik sorgt sich vornehmlich darum, dass Kita-Plätze entstehen, die uns die Sorge um unsere Kinder abnehmen. Vereinzelt gibt es schon 24-Stunden-Kitas, die uns komplett von unseren Kindern befreien. Wer sich aber vorbehält, seine Kinder selbst großzuziehen, steht schnell im Verdacht, die Frauenbewegung zu verraten. Diese Frauen wollen doch nur zu Hause eine ruhige Kugel schieben. Im Politikervolksmund heißt Elternzeit auch gerne mal „Elternurlaub“. In diesen Reihen stellt man sich gern die Frage, warum diese Nur-Hausfrauen nicht arbeiten gehen wollen. Warum hängen sie untätig zu Hause rum? Denn Kindererziehung gilt aus feministisch-politischer Sicht nicht als Arbeit, solange sie nicht professionell betrieben wird.

Erst wenn wir unsere Kinder outsourcen, dadurch steuerpflichtige Jobs schaffen und selbst ebenfalls steuerpflichtig arbeiten gehen, wird unsere Arbeit auch als solche anerkannt. Wie absurd diese Sicht ist, wird besonders da deutlich, wo Erzieherinnen ihre eigenen Kinder in einer Kita fremdbetreuen lassen, während sie selbst in einer anderen Kita fremde Kinder versorgen.

Was aber können unsere Kinder in Fremdbetreuung mehr oder besser bekommen, als von ihren eigenen Eltern? Als Mutter ist man aus feministischer Sicht nicht kompetent genug, seinem Kind die notwendige pädagogische Starthilfe ins Leben zu geben. Geht man aber eine Tür weiter, um anderer Leute Kinder zu betreuen, ist man die Person, die den Kindern erst den korrekten und sinnvollen Start ins Leben vermittelt.

Hausmänner sind eine andere Baustelle

Hausmänner habe ich hier bewusst nicht thematisiert, weil sie ein anderes gesellschaftliches Phänomen auslösen. Ein Hausmann gilt aus feministischer Sicht schon irgendwie als cool oder wenigstens als bemüht. Aus konservativen Kreisen kommt manchmal ein gewisses Erstaunen über den Kerl, der sich da eine Auszeit vom Job nimmt. Der will sicher nur in bisschen zu Hause faulenzen. Emanzipierte Männer werden mit diesem alten Vorurteil aber ganz gut fertig, weil sie tatsächlich sehr cool und keine Drückeberger sind.

Liebe Nur-Hausfrau, sei kein Opfer!

Bei uns Frauen ist das etwas anders. Die feministische Sicht hat uns alle schon so infiziert, dass wir manchmal selbst dumme Worte und Fragen benutzen. Der Begriff „Nur-Hausfrau“ und die Frage „Wann gehst du denn wieder arbeiten?“ sind auch schon über meine Lippen gekommen. Ich habe mich dabei auf  eine berufliche Arbeit und den damit verbundenen Erwerb von Rentenansprüchen bezogen. Aber das hört man eben nicht automatisch mit. In den Ohren des Gegenüber kommt es irgendwie abwertend an. Sicher geht oder ging es manchen von euch auch schon so.

Als Ursache vermute ich Folgendes: Wir alle werden täglich in Nachrichten, Zeitungen, Zeitschriften, im persönlichen Umgang mit Menschen, einfach überall mit dieser inzwischen sehr überzogenen feministischen Sicht auf die Frau und ihre vermeintliche „verdammte Pflicht“ konfrontiert. Dabei übernehmen wir unbewusst stereotype Worte und Sätze, ohne sie böse zu meinen. Versteht es also nicht als Angriff, wenn euch jemand fragt, warum ihr nicht arbeiten geht. Auch die Frage, ob euch dabei nicht langweilig ist, ist nur Unwissenheit.

Meine große Bitte an euch lautet: Wenn ihr selbst einmal so angesprochen werdet, macht euch nicht selbst zum Opfer einer eigentlich doch recht dummen Frage. Noch dümmer als die Frage ist es nämlich, sich selbst dadurch in den Opferstatus zu begeben. Ändert stattdessen etwas an der Sichtweise der Frager.

Werde ein Erklärbär

Erklärt den Leuten eure Ziele und warum ihr eure Kinder in den ersten drei Lebensjahren lieber selbst betreut und erzieht. Sprecht über die Realität in den Kitas für U3-Kinder. Ein Betreuungsschlüssel von 1 Erzieher auf 7 bis 10 (und mehr) Kindern unter drei Jahren funktioniert nicht. Jeder Erziehungswissenschaftler weiß, dass ein Schlüssel von mehr als drei Kindern pro Erzieher gravierende Nachteile für das Kind bringt.

Das Argument, dass die Kinder in der Kita voneinander lernen, zieht nicht. Sie sind alle gleich unwissend. Sie leben jedes für sich nebeneinander her, wenn der Erzieherschlüssel nicht drastisch verbessert wird. In einer Familie lernen Kinder durch Nachahmung der Eltern und größerer Geschwister, wenn vorhanden. In den U3-Kitas kriechen alle Kinder gleichermaßen unerfahren umeinander. Da lernt sich nix, wenn nicht genügend Erwachsene als Vorbild, feste Bezugsperson und positive emotionale Basis vorhanden sind.

Vorschlag für eine familienpolitische Variante

Wenn die Politik bereit wäre, die Erziehung eigener Kinder so hoch zu bewerten, wie eine externe Berufstätigkeit, könnte man Kita-Plätze einsparen. Damit meine ich die Plätze, die personell sowieso nicht abgedeckt werden können. Stattdessen könnte man für die Mütter oder Väter, die sich um ihre eigenen Kinder kümmern, Rentenansprüche einzahlen. Preislich kann der Steuerzahler – also wir alle – auch noch satt dabei sparen. Ein U3-Kitaplatz kostet ca. 1200 bis 1800 Euro pro Monat, ein durchschnittlicher Rentenbeitrag liegt bei 530 Euro. Da wäre sogar noch eine Verlängerung des Elterngeldes auf 36 Monate ohne finanziellen Mehraufwand denkbar.

Liebe feministische Politiker, nehmt mal den Finger aus dem Tee und denkt über „alternative Lebensformen“ nach. Zum Beispiel ein ganz normales Familienleben, wie es für Unterdreijährige sicher nicht die schlechteste Lösung ist. Und das dabei eingesparte Geld könnte man noch in die Kindergärten für die Abdreijährigen geben.

Nachtrag: Selbstverständlich ist auch das feministische Lebensmodell vollig legitim, solange es allen Beteiligten damit gut geht. Ich wünsche mir nur, dass Frauen die freie Wahl haben und niemand verurteilt wird, wenn er die eine oder andere Art zu leben wählt.

Neu hier? –> Klick auf das Bild!