Motivation will dosiert werden


Motivation ist die Kraft, die uns dazu bewegt (movere), etwas zu tun. So sagt die Verhaltenspsychologie. Sie ist aber auch die Kraft, die uns dazu bewegt, etwas zu unterlassen. Alles, was ich bewusst unterlasse, unterlasse ich deshalb, weil ich es so will. Wer sich darüber im Klaren ist, wird nicht mehr darüber klagen, dass es ihm an Motivation fehlt.

Im NLP geht man davon aus, dass jeder Mensch Motivation in ausreichendem Maß besitzt. Es kommt jetzt nur noch darauf an, diese Motivation für sich sinnvoll zu nutzen. Die erste Frage, die man sich hierbei stellen kann, ist die: „Was ist denn sinnvoll?“

Natürlich ist es oberflächlich betrachtet sinnvoll, den schmutzigen Boden zu putzen. Schauen wir jedoch etwas genauer hin, können wir es viel sinnvoller finden, es nicht zu tun. Vielleicht will ich meinem Partner die Chance geben, sich auch am Haushalt zu beteiligen. Oder ich bin heute so erschöpft, dass ich wahrscheinlich kopfüber in den Eimer falle, wenn ich mit dem Putzen beginne. Möglicherweise habe ich dringende Termine, die ich nicht verschieben will und das Putzen würde mir zu viel Zeit rauben. Eventuell hat auch meine Katze eine Putzmittelallergie und ich muss sie erst bei meiner Nachbarin unterbringen, bevor ich mit der Arbeit beginnen kann. 😉

Manche Begründungen klingen logisch, andere wiederum etwas absurd. Und trotzdem haben wir alle auch schon solche sinnlos erscheinenden Begründungen gefunden, um Dinge nicht zu tun, die wir nicht tun wollten. Für diese Begründungen lassen wir unserer Kreativität manchmal sehr freien Lauf. Wir lenken unsere Energie auf diese Begründungen, statt auf die Tätigkeit. Also findet – obwohl wir nicht putzen – ein energetischer Prozess statt. Wie sollten wir diesen Kraftakt wohl zuwege bringen, wenn wir nicht mit einer gehörigen Portion Motivation (Bewegungskraft) und Kreativität ausgestattet wären?

Jetzt könnte man ja sagen: Wenn ich das weiß, lenke ich die Energie einfach auf die „richtigen“ Dinge und alles wird gut. Der Grundgedanke ist in Ordnung, aber wir brauchen für solche Umlenkprozesse Zeit und Geduld mit uns selbst. Wenn ich die Angewohnheit habe, statt zu putzen Ausreden zu suchen, ist das ein Automatismus, der schon fest in mir verankert ist. Ich bekomme ihn nur mit Geduld und Ausdauer weg und kann ihn erst dann durch eine neue Angewohnheit ersetzen.

Wer den Startplan mitgemacht hat, weiß, was ich meine: Eine kleine, mühelose Tätigkeit, die ich immer wieder ausführe – anfangs mit Willensanstrengung, später immer automatischer – lässt sich leicht aushalten. Es ist nicht schwer, jeden Tag die Spüle zu putzen, wenn man sich selbst das Versprechen gibt, dass es nur diese eine Sache ist, die man sich zu diesem Zeitpunkt angewöhnen will. Wenn die glänzende Spüle dann so verinnerlicht ist, dass man kaum noch aus dem Haus gehen kann, ohne sie vorher poliert zu haben, begibt man sich auf die nächste Stufe. Die Arbeitsplatte wird zum Beispiel immer sofort freigeräumt und gereinigt, wenn man mit dem Kochen fertig ist. Sobald auch diese Tätigkeit zum Automatismus geworden ist, nimmt man sich das nächste kleine Ziel vor.

Wenn ich allerdings versuche, aus dem Stand zur Superhausfrau oder zur Supersportlerin oder zur Superirgendwas zu werden, kann ich nur scheitern. Ich besitze eben immer nur so viel Motivation, wie immer. Sie wird nicht mehr, weil ich mir neue Ziele setze. Also ist der sinnvollere Weg im Umgang mit meiner Motivationskraft, dass ich  meine neuen Ziele richtig dosiere.

Jedes Mal, wenn ich eine neue gute Angewohnheit gefestigt habe, verbraucht sie kaum noch Motivationskraft. Ganz im Gegenteil, müsste ich sogar Energie aufwenden, um die inzwischen angewöhnte Tätigkeit einmal nicht zu tun. Mir geht das so zum Beispiel auch mit dem Sport: Seit ich mich ernsthaft dazu gebracht habe, regelmäßig Sport zu treiben – der Rücken halt 😉 – kann ich gar nicht mehr ohne ihn sein. Selbst im Urlaub oder unter schwierigen zeitlichen Bedingungen finde immer noch eine Möglichkeit, meine regelmäßigen Trainingseinheiten zu absolvieren. Als es im Sommer an einem meiner „Sporttage“ unmenschlich heiß war und ich mit Sicherheit sowieso kollabiert wäre, wenn ich Sport getrieben hätte, musste ich mich mit viel Energie und einigen heiligen Schwüren, dass ich die Einheit am nächsten Tag nachhole, dazu bringen, nicht zu gehen. Das fand ich wirklich erstaunlich, weil ich früher wirklich ein schrecklicher Sportmuffel war.

Gewöhnt euch eure neuen, guten Gewohnheiten in verträglicher Dosierung an, dann verzweifelt ihr nicht an ihnen, sondern macht sie mit der Zeit sogar immer lieber.

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