Mit taubstummen Spendensammlern laut lachen

Letzte Woche war ich in der Stadt unterwegs. Eine junge Frau mit Klemmbrett und Kugelschreiber machte mich auf sich aufmerksam. Sie sah mich durchdringend an und tickte mit dem Kugelschreiber auf das Klemmbrett, das sie mir hinstreckte. Darauf war ein blaues Rollstuhlsymbol zu sehen und der Hinweis, dass der Behindertenverband der Taubstummen Spenden sammelt. In der Liste unter diesem Hinweis sollte ich mich als Spenderin  mit meinen Daten eintragen.

Ich schmunzelte, schüttelte den Kopf und wollte weitergehen. Aber da fiel der jungen Frau der Kugelschreiber auf meine Füße. Sie meinte deutlich hör- und verstehbar: „Oh, Entschuldigung“, bückte sich und hob den Kugelschreiber wieder auf. Ich kicherte und antwortete, dass hiermit wohl ihre Profession als „Taubstumme“ gelaufen sei. Sie musste so laut lachen, dass sie sich kaum gerade halten konnte. Eine weitere junge Frau, die ebenfalls mit Klemmbrett unterwegs war, kam zu uns und schaute verwirrt. „Meine“ Spendensammlerin meinte nur, dass sie es ihr später erklären wolle. Nach diesem kleinen Schauspiel zogen die Mädels und ich in entgegengesetzte Richtungen weiter.

Minimalismus beim Spenden ist kein Geiz, sondern Vorsicht

Jetzt, in der kalten Jahreszeit und wo es auf Weihnachten zugeht, sind wieder verstärkt Spendensammler unterwegs. Wenn die Sammlungen reell sind, soll mir das recht sein. Aber wie erkennt man das auf der Straße? Ich habe große Zweifel, dass ich das einfach per Augenschein diagnostizieren kann. Bei der „taubstummen“ Frau war es offensichtlich, dass es sich um eine Betrugsmasche handelte, denn Taubstumme heißen korrekt Gehörlose und sie „werben“ sicher nicht mit einem Rollstuhlsymbol. Aber oft können wir kaum erkennen, was echt und was falsch ist.

Deshalb habe ich mir auch beim Spenden einen sorgfältigen Minimalismus angewöhnt: Ich überlege mir, wie viel ich in diesem Jahr spenden möchte und suche mir dann ein oder zwei Projekte dafür aus. Meine Spende mache ich per Banküberweisung an eine geprüfte Institution. So kann ich wenigstens einigermaßen sicher sein, dass mein Geld nicht in die falschen Taschen fließt.

Wie schützt man sich vor offensiven Spendensammlern?

Früher habe ich versucht, den Blickkontakt zu vermeiden. Aber das hieß in der Folge auch, dass ich vor Weihnachten praktisch nur noch mit gesenktem Blick durch die Stadt gehen konnte. Also habe ich es mir angewöhnt, die offensiv fordernden Blicke von Profisammlern ebenso offensiv zu ignorieren.

Ich muss niemandem gegenüber argumentieren, warum ich nicht spende. Es geht niemanden etwas an, ob ich schon woanders gespendet habe. Ich muss nicht stehenbleiben, um mir neben meinem Geld auch  noch meine Zeit rauben zu lassen. Es ist allein meine Angelegenheit ob und wo ich spende. Ein Kopfschütteln oder ein klares Nein müssen dem Sammler und mir genügen, um die Sache klarzustellen. Wer sich das nicht traut, kann auch einfach weitergehen, ohne eine Reaktion zu zeigen.

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