Minimalismus ausgeschlossen! Das brauche ich noch alles!

Kennt ihr das? Ihr wollt entrümpeln und nehmt euch richtig viel vor. Minimalismus ist Trumpf. Aber schon beim ersten Teil, das ihr in die Hand nehmt, überkommt euch Unsicherheit. „Hey, der Rock hat mal 100 Euro gekostet, den kann ich doch nicht einfach weggeben!“ oder „Mit dieser Eisenbahn habe ich damals stundenlang gespielt, die hat auch einen Erinnerungswert.“

Also jetzt mal Hand aufs Herz und nicht gelogen: Was tut dieser teure Rock heute für euch, da er gar nicht mehr passt? Und was tut er in zehn Jahren für euch, wenn er komplett aus der Mode ist? Mode besteht ja nicht allein aus dem Schnitt, dazu gehören auch Farbe und Material. Selbst wenn der Schnitt also mal wieder modern ist, kann es sein, dass die Farbe gar nicht geht.

Angenommen, in zehn Jahren trifft aber alles haargenau zusammen: Schnitt, Farbe, Material sind wirklich wieder laufstegtauglich. Passt der Rock dann genauso gut, wie er es vor Jahren tat? Oder hat sich eure Figur verändert und das Teil sieht einfach nicht gut an euch aus?

Partys reißen es nicht immer raus

Gut, wir sind alle keine Hellseher, aber die Erfahrung zeigt, dass alte Mode meist nur noch für Revivalpartys taugt. Wenn wir obigen Rock jetzt mal als Metapher nutzen für all die T-Shirts, Blusen, Hemden, Hosen, Kleider, Anzüge, Mäntel, Jacken und was sonst noch unsere Schränke verstopft: Wie viele Revivalpartys müssten wir feiern, um den Dingen wirklich noch einen Nutzen abzuringen? Hin und wieder eine, finde ich wirklich gut. Jeden Tag möchte ich das aber nicht haben. 😉

Wie man sich langsam an Entscheidungen rantastet

Wenn ihr euch schwertut, Entscheidungen zu treffen, überlegt euch vorher mal zwei Dinge:

  1. Was tut dieses Teil für mich?
  2. Was tue ich für dieses Teil?  

In der Regel tut ein Kleidungsstück, das nicht mehr passt und/oder nicht mehr modern ist, gar nichts für euch. Im Gegensatz zu uns, die wir sehr viel für diese Sachen tun. Zwar merken wir es nicht unmittelbar, aber wenn wir diese Dinge mal weggegeben  haben, machen sich die positiven Auswirkungen bemerkbar.

Zum Bespiel geben wir den Teilen Raum: Schränke sind oft bis zum Bersten gefüllt. Keller sind mitunter so voll, dass wir an die wichtigen Dinge nicht mehr rankommen. In ganz schlimmen Fällen zahlen wir Miete für eine Lagerbox, weil wir die Dinge in der Wohnung nicht mehr unterbringen können.

Die besonders ordentlichen unter uns waschen und bügeln die ungenutzten Teile sogar regelmäßig. Und wozu? Um sie dann wieder in den Schrank zu hängen, ober besser zu stopfen.

Teste deine Entscheidungen, wenn du noch nicht sicher bist

Wenn du nicht weißt, ob du ein Kleidungsstück wirklich loslassen willst, sortiere es für einen Monat, ein Quartal oder ein Jahr weg. Wenn es dir in dieser Zeit – den Zeitraum legst du fest – nicht fehlt, hast du dir selbst bewiesen, dass du das Teil nicht vermisst.

Ein gedanklicher Test ist der: Schaut euch ein Teil an und fragt euch Folgendes:

  1. Wann habe ich es zuletzt getragen?
  2. Habe ich mich darin wohlgefühlt?
  3. Warum trage ich es jetzt nicht mehr? Kann ich diesen Grund abstellen und es wieder mögen? (z.B. fehlenden Knopf annähen, enger oder weiter machen lassen, einfärben usw.)
  4. Würde ich mir dasselbe Teil nochmal kaufen, wenn ich es verlieren würde?

Dies sind nur ein paar Vorteile eines entrümpelten Haushalts

Wer es schafft, sich von den Dingen zu trennen, die er nicht mehr braucht, wird die Entlastung sofort spüren.

  1. Eine angemietete Lagerbox kann gekündigt werden, die Mietkosten fallen weg.
  2. Der Keller ist wieder nutzbar, weil man an die Dinge, die man braucht, auch rankommt.
  3. Die Wohnung wird heller und aufgeräumter sein, man wird weniger Arbeit mit seinen Dingen haben.
  4. Wir müssen nicht mehr nach Platz in den Schränken suchen, wenn wir etwas hineintun wollen.

Als ich anfing zu entrümpeln, war ich überwältigt von der Erleichterung, die sich in mir ausbreitete. Mit jedem Stück, das ich losließ, verschwand eine lästige Verantwortung für dieses Teil. Und immer weniger Kleidungsstücke schrien mich morgens aus dem Schrank heraus an: „Du bist zu dick für uns!“ oder „Zieh uns doch an, wenn du dich traust. Du wirst auf der Straße schon sehen, was modern ist!“

Eine Ausnahme bilden hier natürlich die klassischen Schnitte und Farben, die immer gehen. Sie kann man immer tragen, solange man sie tragen will. Wenn wir das nicht mehr wollen, fallen sie gemeinsam mit den aus der Mode geratenen Kleidungsstücken in die Kategorie: Das-brauche-ich-nicht-mehr.

Wenn ich heute vor meinem Kleiderschrank stehe, genieße ich viele Vorteile gegenüber früher:

  1. Ich sehe, was ich habe, weil der Schrank nicht gepresst voll ist.
  2. Es fällt mir leichter zu kombinieren, weil ich sehe, was da ist.
  3. Ich lebe heute das Prinzip der „Capsule Wardrobe“, was das Kombinieren noch viel leichter macht.
  4. Ich muss meine Sachen nicht vor Gebrauch nochmal bügeln, weil nichts gequetscht wird.
  5. Wenn ich Dinge nach der Wäsche in den Schrank räumen will, ist genug Platz dafür da.

Minimalismus heißt in erster Linie, die richtigen Fragen stellen

Wer sich auf den Weg in den Minimalismus machen will, sollte sich vor allem damit befassen. Wer Entscheidungen treffen will, muss sich zuerst die richtigen Fragen stellen.

Keine gute Frage ist: „Welchen Gegenwert bekomme ich, wenn ich diesen ehemals 100 Euro teuren Rock weggebe?“ Bei dieser Frage denken wir vor allem an einen Geldwert. Wenn ich aber sogar ein wirklich utopisches Gebot von 50 Euro bekomme, trauere ich vielleicht immer noch den verlorenen anderen 50 Euro hinterher. Also gebe ich den Rock doch nicht weg, obwohl ich ihn nicht nutze. Im schlimmsten Fall liegt er sogar in einer Lagerbox und ich zahle monatlich sogar noch drauf.

Ich muss also den „Gegenwert“ in anderen Dingen finden: Ich muss mir den Rock nicht mehr ansehen und das Gefühl aushalten, dass ich da nie mehr reinpasse. Ich muss nicht mehr den Rock hin und her räumen, um an die Dinge zu kommen, die ich wirklich nutze und die mich glücklich machen. usw. usf.

Eine gute Frage wäre: „Macht mich dieses Kleidungsstück wirklich glücklich, wenn ich es trage?“ Diese Frage ist noch etwas genauer, als die von Marie Kondo, die nur fragt, ob ein Teil sie glücklich macht. Viele von uns verwechseln nämlich „Glück“ mit einer Situation, in der sie sich mal wieder nicht entscheiden müssen. Sie glauben, wenn sie den Rock nicht weggeben, werden sie später auf keinen Fall deswegen traurig sein. Die Frage sollte sich aber auf das Glück im Hier und Jetzt beziehen und nicht auf ein Nicht-traurig-sein im Später.

Ein kleines Gedankenspiel

Stellt euch vor, ihr wollt eine neue Tapete. Aber die alte war doch mal modern. Sie hat euch doch damals so gut gefallen. Die Farben haben euch echt erfreut. Ja, sie ist inzwischen etwas überholt, es waren halt die 70er. Aber sie war ja mal teuer, die gute Tapete. Usw. Ihr wisst, was ich meine, nicht wahr.

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