Meditation im Alltag

Wenn die Gedanken sich nicht bändigen lassen

An einem Wochenende vor ein paar Jahren stand ich vor einer ziemlich existentiellen Frage. Jedes Mal, wenn ich darüber nachdenken wollte, kamen mir tausend andere Dinge in den Sinn. Mein Geist war einfach nicht bereit, eine Entscheidung zu treffen. In meinem Kopf herrschte Chaos, es wollte sich keine Ordnung einstellen. Je näher der Zeitpunkt rückte, an dem ich mich entschließen musste, desto mehr befasste ich mich mit anderen Dingen. Ich schaltete den Fernseher an. Man will ja schließlich informiert sein, was in der Welt los ist, nicht wahr? Dann rasch den PC anschalten und nachschauen, ob jemand eine E-Mail geschrieben hat. Nicht, dass noch jemand unnötig lange auf eine Antwort warten muss! Im Fernsehen ist nichts? Es hat niemand geschrieben? Na gut, dann eben das Radio an. Ein bisschen Musik, ein bisschen Nachrichten, ein bisschen Ablenkung.

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Übersprungshandlung oder Meditation?

Ach nein, Ablenkung sollte jetzt echt nicht mehr sein. In 8 Stunden will ich meine Entscheidung gefällt haben … Was also tun, damit der Kopf endlich für die Dinge frei ist, für die ich ihn gerade benötige? Ich schnappte mir meine Putzsachen und legte los:

Ich räumte alles, was nicht Möbel und nicht angeschraubt war aus der Küche und begann bis in den hintersten Winkel zu putzen. Anfangs dachte ich: „Noch so eine Übersprungshandlung. Jetzt denkst Du schon wieder nicht über dein Problem nach.“ Aber dann allmählich entspannte ich mich und die Gedanken begannen zu „fließen“. Hin und wieder schnappte ich mir das Notizbuch und schrieb ein paar meiner Gedanken auf, damit sie mir nicht wieder verloren gingen. Dann putzte ich weiter.

Es war immer noch ein heftiges Hin und Her in meinem Kopf, aber allmählich begann alles eine Struktur zu bekommen. Nach einer Weile – ich denke, es waren so zwei bis drei Stunden vergangen und ich hatte inzwischen das Wohnzimmer und die Diele auch klinisch rein – legte ich eine CD von Uriah Heep auf, drehte den Lautstärkeregler auf „trommelfelleerweichend“ und putzte weiter. Noch bevor die Nachbarn die Polizei wegen ruhestörenden Lärms rufen konnten, hatte ich meine Entscheidung getroffen.

Meine Putzaktion hatte eine wirklich meditative Wirkung auf mich gehabt, weil Putzen eine Arbeit ist, bei der man nicht darüber nachdenkt, was man tut. Gleichzeitig ist man aber zu beschäftigt, um sich mit ablenkenden Inhalten zu befassen. Es wirkte bei mir jedenfalls deutlich besser als Stricken oder Laufen, weil bei diesen Tätigkeiten kann ich gleichzeitig noch äußere Inhalte vom Fernsehen bzw. vom MP3-Player aufnehmen. Und die Versuchung ist dann immer groß, weil man sich manchmal einfach nicht mit Problemen befassen will, auch wenn man es unbedingt tun sollte. Positiver Nebeneffekt: Ich hatte die Arbeit für die folgende Woche weitestgehend erledigt und brauchte mich nur noch um die Morgen- und Abendroutinen und die Extraaufgaben zu kümmern.

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An diesem Tag wurde mir klar, dass ich keine extra Zeit brauche, wenn ich achtsam sein und meditieren möchte. Meditation geht immer und überall, auch ohne ein separates Zeitkontingent. Ich meditiere heute im Liegen, Sitzen, Stehen, Laufen, beim Putzen oder Duschen, beim Einkaufen in der Warteschlange, bei einem Spaziergang und wo auch immer ich sonst möchte. Meditation ist eine Tätigkeit, die überall Platz findet und weder eine bestimmte Zeit noch einen besonderenRaum braucht.

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