Mach Dir keine Sorgen

Im allgemeinen Sprachgebrauch heißt es: „Ich mache mir Sorgen, weil …“ Daran sieht man, dass wir uns unsere Sorgen meist selbst „basteln“. Wir wälzen Themen so lange in unserem Kopf hin und her, bis wir uns seelisch und bald auch körperlich immer unwohler fühlen. Bei dem einen äußert sich das in Magendrücken, beim anderen mit Herzrasen, beim dritten ist es vielleicht der Rücken.

Zu viele Wahlmöglichkeiten verunsichern uns

Ein großer Sorgenfaktor in der heutigen Zeit ist die Menge der Optionen, die wir in allen Lebensbereichen haben. Permanent sind wir gezwungen zu wählen. Ich kann unter 150 Staubsaubermodellen wählen und kann schließlich doch mit meiner Wahl unzufrieden sein. Vielleicht hat dieser Staubsauber eine bestimmte Macke, die ich nicht vorhersehen konnte. Bei der Wahl einer Waschmaschine habe ich mindestens genauso viele Optionen. Auch hier werde ich erst im Nachhinein wissen, ob ich eine gute Wahl getroffen habe. Denn mal ehrlich, wer von uns versteht die ganzen kryptischen technischen Bezeichungen für solche Geräte wirklich und kann sie bewerten?

Bei der Wahl einer richtigen Butter, Marmelade, Bluse oder Haarspülung sind die Wahlmöglicihkeiten noch größer und fordern mir noch mehr Antworten ab. Schließlich muss ich mich nicht nur FÜR diese Marmelade entscheiden, sondern ich muss auch noch bewerten, ob sie gesünder ist als andere, besser schmeckt, tatsächlich Erdbeeren enthält oder nur einen künstlichen Aromastoff und ich muss mich GEGEN hunderte andere Sorten entscheiden.

Die Außenwirkung und ihre Folgen

Wenn ich dann auch noch meine Entscheidung über Facebook, Twitter oder Instragram der Welt mitteile, darf ich keine Unsicherheit zeigen. Die Welt würde sonst sehen, wie unglaublich normal und durchschnittlich mein Leben ist. Nein, niemand soll wissen, wie sehr ich mich mit alltäglichen Entscheidungen plage. Also ist das Marmeladenbrötchen auf meinem Foto natürlich das leckerste der Welt, wenn ich es poste. Die Realität interessiert hier nicht.

Aber wehe, wenn jetzt jemand auf das Foto reagiert und von meiner Marmelade behauptet, dass sie schlecht ist, nicht schmeckt, voller Irgendwas ist und überhaupt nie und nimmer gekauft werden sollte. Das ist ein Angriff gegen mich und meine Integrität. Er erschüttert mein Selbstbild in seinen Grundfesten. Warum? Weil ich im Prinzip gesagt bekomme, wie unglaublich dumm und naiv meine Entscheidung war. Ich habe leichtfertig mein Selbstbild, das ich der Öffentlichkeit gerne so positiv wie möglich präsentiere, in Frage gestellt oder gar schlimm beschädigt.

Die Folge ist, dass ich ab jetzt Entscheidungen noch kritischer prüfen, abwägen, hinausschieben und noch häufiger nicht treffen werde. Aber auch nicht getroffene Entscheidungen sind Entscheidungen, denn auch sie haben immer eine Konsequenz. Wenn ich keine Marmelade kaufe, kann ich keine essen. So weit nicht schlimm. Aber wenn ich mich für keinen Studiengang entscheide, werde ich nie mit meinem Studium fertig werden und beruflich nicht weiterkommen. Wenn ich mich für keine Frau, keinen Mann, keine Partnerschaft entschließen kann, weil ich ja nicht weiß, ob da draußen noch was besseres rumläuft, werde ich mit 70 immer noch ein Single mit Plüschkatze sein.

Entsorge Deine Sorgen

Machen wir uns klar, dass die meisten Sorgen in unseren Köpfen entstehen und es sehr oft nicht wert sind, über sie nachzudenken. Verringern wir die Auswahlkriterien für Entscheidungen des Alltags und leben wir damit, dass man immer mal falsch entscheiden kann. Davon geht die Welt nicht unter. Marmelade oder Butter sollen mir schmecken und meinem Preis-Leistungsempfinden entsprechen. Fertig. Ein Staubsauger soll mit oder ohne Beutel, mit oder ohne HEPA-Filter sein und einen angemessenen Preis haben. Saugen tun sie am Ende alle. Und über den Boden schieben müssen wir sie sowieso selbst, wenn wir keinen Saugroboter haben.

Stehe zu Deinen Entscheidungen, statt immer wieder neue zu suchen

Wer seine kleinen Alltagsentscheidungen entschlackt, hat mehr Energie für die großen Entscheidungen zur Verfügung. Welches Studium, welche Ausbildung, welche Partnerin, welcher Partner sind für mich richtig? Und dann immer im Hinterkopf behalten, dass es zwar da draußen noch 1000 andere Optionen gibt, aber man sollte sich mit den Dingen beschäftigen, die man gewählt hat. Wenn ich mich für einen Partner entschieden habe, übe ich lieber, mit seinen kleinen Macken zurechtzukommen, statt immer mit einem Auge auf andere Typen zu schielen. Wenn ich einen Berufsweg eingeschlagen habe, versuche ich darin gut zu werden, statt permanent nach Fluchtmöglichkeiten aus dieser Schiene zu suchen.

Liebe was Du tust, statt nach dem zu suchen, was Du liebst

Lieben ist ein Verb. Liebe fällt uns nicht auf den Kopf, das kann allenfalls eine gewisse Verliebtheit. Aber wirkliche Liebe zu Menschen, Dingen, Tätigkeiten ensteht alleine aus unserem Tun. Deshalb sollten wir uns mehr darum kümmern, unsere Dinge gut zu machen, statt immer nach besseren Dinge zu suchen. Das gilt für Partner und Berufswahl ebenso, wie für Staubsauger und Küchenschränke, Hobby und Ehrenamt.

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