Ey, du Opfer!

Hast du manchmal das Gefühl, dass sich niemand außer dir um den Haushalt kümmert? Denkst du oft, dass alles an dir hängenbleibt? Würdest du dir manchmal wenigstens etwas Dankbarkeit von deinen Leuten wünschen, dafür, dass du den überwiegenden Teil des Haushalts alleine stemmst?

Dann bist du ein typisches Opfer. Deine Motive, etwas zu tun, kommen aus der Perspektive eines Opfers. Deine Meinung über dich und deine Mitmenschen lautet: „Ich bin das Opfer und sie sind die Gewinner.“

Stellst du dir manchmal solche oder ähnliche Fragen: „Was sollten die anderen anders machen, damit es mir besser geht?“ oder  „Wie soll sich die Welt ändern, damit ich kein Opfer mehr sein muss?“

Finde die richtigen Fragen

Das ist leider ein falscher Ansatz. Du bist nur dann ein Opfer, wenn du dich selbst so definierst. Stell dir stattdessen mal diese Fragen: „Warum räume ich ständig auf?“  „Wieso sorge ich immer für das Essen?“ „Weshalb spüle, fege, putze ich ständig, während die anderen sich einen lauen Lenz machen?“

Kennst du schon die Antworten darauf? Wenn nicht, kann ich sie dir verraten: „Weil ich es will.“ „Weil ich es will.“ und „Weil ich es will.“ Niemand tut etwas, das er nicht will. Wenn du mir nicht glaubst, frag dich mal ganz analytisch, warum du ständig aufräumst. Deine Antwort könnte lauten, dass du dich dann wohler fühlst oder dass es dir dann nicht peinlich wäre, Besuch hereinzulassen. Es könnte auch sein, dass du unangenehme Bemerkungen von der Schwiegermutter, der Nachbarin oder dem Partner vermeiden willst. Ein anderer Grund könnte sein, dass du zu faul zum Suchen bist und deshalb gerne alle Dinge an einem festen Platz hast.

Was ist also bitteschön daran ein Opferdasein? Du willst positive Gefühle produzieren oder negative Gefühle vermeiden, also räumst du deswegen auf. Es ist keineswegs vorrangig eine Dienstleistung an deiner Familie, es sind deine eigenen Ziele, die du damit verfolgst.  Die Dienstleistung an der Familie ist nur ein positiver Nebeneffekt für deine Leute, den sie gerne in Kauf nehmen.

Finde noch mehr Fragen

Wenn du die erste Frage beantwortet hast, frage weiter. Warum magst du es lieber ordentlich? Weshalb willst du unangenehme Bemerkungen von anderen vermeiden? Wieso würdest du dich schämen, Besuch in eine unaufgeräumte Wohnung zu lassen? Die Antworten könnten sein, dass du schon von Kindheit an Ordnung als beruhigend empfunden hat oder dass du ein harmoniebedürftiger Mensch bist, der Auseinandersetzungen gern vermeidet. Vielleicht verbindest du Ordnung und Sauberkeit mit einem guten Status und schämst dich deshalb, vor anderen eine unordentliche Wohnung zu präsentieren.

Was haben aber diese Gründe mit deinen Mitbewohnern oder Familienangehörigen zu tun? Warum sollten die dafür verantwortlich sein, dass du dich gut fühlst? Es liegt allein in deiner Verantwortung, dafür zu sorgen, dass es dir gut geht. Also woher kommt diese Vorstellung, ein Opfer zu sein, nur weil du deine eigenen Ziele verfolgst? Vergiss Dankbarkeit für Dienstleistungen, nach denen niemand gefragt hat. Tue was du tust, aber sei dir bewusst, dass du es nur für dich tust. Auch wenn du für die Kinder die Socken wegräumst und für die Familie kochst und spülst.

Vertraue darauf, dass auch andere zuverlässig sein können

Das soll nicht heißen, dass die anderen nicht auch etwas im Haushalt tun können. Also sprich sie an, kläre mit ihnen, wer welche Aufgabe übernimmt und lass ihnen dann die Zeit, es auch zu tun. Sei nicht immer schneller als sie und beschwere dich dann, dass mal wieder alles an dir hängengeblieben ist. Deine Mitstreiter sind vielleicht noch nicht so geübt wir du, gib ihnen also eine Chance, es selbst zu schaffen und lass sie auch mal mit den Konsequenzen leben, wenn sie es verbockt haben. Wenn derjenige, der einkaufen gehen sollte, es vergisst, kannst du nichts kochen. Halte das ein- bis zweimal durch und das mit dem Einkaufen wir schon bald besser werden.

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