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Wann hast Du zuletzt ein Geschenk weggeworfen?

Wann hast Du zuletzt ein Geschenk weggeworfen?

Hast Du Dich dabei schuldig gefühlt? Dachtest Du: „Jemand hat für dieses Geschenk Geld ausgegeben, um mir eine Freude zu machen. Ich kann es doch nicht wegwerfen!“ ?

Wenn es so in Dir aussieht, schau Dich mal um, wie es dann um Dich herum aussieht. Wieviele ungeliebte Geschenke stehen bei Dir in den Regalen, Schränken, Schubladen und im Keller? Welche Gefühle hast Du, wenn Du diese Geschenke siehst? Freust Du Dich darüber, dass sich jemand die Mühe gemacht hat, Dich zu beschenken oder ärgert es Dich inzwischen nur noch, dass Du diese ungeliebten Dinge um Dich herum hast, sie in Ordnung halten musst und sie Dir außerdem den Platz zum Leben nehmen?

Behältst Du dieses ganze Zeug nur deshalb, weil Du glaubst, es den Schenkenden schuldig zu sein? Willst Du freundlich und nett sein und niemanden verletzen? Schön und gut, Du verletzt also niemanden. Aber was ist mit Dir? Warum zwingst Du Dich selbst, Dinge um Dich herum zu haben, die Dir nicht mehr gefallen? Warum räumst Du Dir Deinen Lebensraum voll mit Sachen, die Dir auf die Nerven gehen und die Luft zum Atmen nehmen? Du denkst, dass Du das Problem ja später einmal lösen kannst? Vielleicht wenn Tante Trude tot ist? Aber was, wenn Du dann Angst hast, man könnte Dir vorwerfen, Du würdest Tante Trudes Andenken verletzen, wenn Du sofort nach ihrem Tod ihre Geschenke wegwirfst? Wie lange willst Du dann wieder warten?

Machen mal einenTest: Nimm Dir einen großen Karton und gehe durch Deine Räume. Pack jedes Ding hinein, dass Du einmal geschenkt bekommen hast, das Dir aber heute nichts mehr sagt. Du musst nichts wegwerfen, pack nur alles in den Karton. So hast Du noch keinen Menschen und kein Gefühl verletzt.

Jetzt beobachte die Reaktionen Deiner Besucher. Fragt Tante Renate nach der blauen Blumenvase, die sie Dir einst geschenkt hatte? Will Deine Freundin wirklich wissen, wo der bronzene Bilderrahmen geblieben ist, den sie Dir vor 15 Jahren zum Geburtstag geschenkt hatte? Wenn ja, dann erkläre einfach, dass Du Dich weiter entwickelt hast und Dein Geschmack mit. Der Bilderrahmen von vor 15 Jahren mag damals gut in Deine Wohnung gepasst haben, aber heute hast Du eben andere Tapeten und Möbel und da geht das einfach nicht mehr.

Beobachte, wie Du Dich jetzt ohne diesen ganzen Geschenkeballast fühlst. Ist es nicht viel angenehmer, nur Dinge um sich herum zu haben, die man wirklich mag und mit denen man sich wohl fühlt? Und ist es nicht so, dass Menschen, die Dich gern beschenken, auch wollen, dass es Dir gut geht? Geschenke haben nicht das Ziel, den Beschenkten auf Lebenszeit daran zu binden, sondern Dir aktuell und für einen begrenzten Zeitraum eine Freude zu machen. Genauso, wie Du die selbst gekaufte Blumenampel aus dem Jahr 1979 nach drei Jahren Gebrauch weggeschmissen habst, weil sie nicht mehr modern war, hast Du auch das Recht und Dir selbst gegenüber die Pflicht, alte Geschenke zu entsorgen.

Aber zurück zu Deinem Karton: Wenn Du feststellst, dass niemand nach den verschwundenen Geschenken fragt, sie Dir nicht fehlen und Du Dich in Deiner Wohnung ohne diese Dinge besser fühlst, ist der Zeitpunkt gekommen, den ganzen Karton – am besten ungeöffnet – zu entsorgen. Wenn Du meinst, die Sachen haben noch einen Wert, lass sie in einem Second-Hand Laden sichten oder gib den ganzen Karton für ein bisschen Geld an Leute, die Trödel suchen. Du findest sie in Wochenzeitungen oder im Internet.

Warum ich gerade kurz vor Weihnachten damit komme? Die nächste Geschenkewelle rollt bereits auf uns zu. Was ist, wenn Du ein Geschenk bekommst, das Du von vornherein nicht magst? Wie verhältst Du Dich gegenüber Deiner Mutter, Deiner Freundin oder Deinen Kindern, wenn Du Dinge bekommst, die Du niemals haben wolltest?

Ein Leben ist zu kurz, um immer wieder Dinge nur deshalb zu beherbergen und zu pflegen, weil man sie geschenkt bekommen hat. Gib Deinen Mitmenschen doch die Chance, Dir das Richtige zu schenken, indem Du vorab konkrete Wünsche äußerst. Sätze wie „Ich brauche keine Geschenke. Wenn ich nur brave Kinder habe …“ sind jedenfalls nicht hilfreich. 😉